Rundschreiben

“Sei optimistisch!”

View post in Englisch

„Sei optimistisch!“

26 November 2014

Justin Schaaf im Gespräch mit
Physiknobelpreisträger Klaus von Klitzing

Schaaf:    Welches Teilgebiet der Physik hat Ihnen in der Schule am besten gefallen?
Klitzing:    In der Schule, da hatten wir erst mal wenig Physik gehabt. Als ich angefangen habe zu studieren habe ich die Mathematik geliebt. Dort konnte man sich Aufgaben stellen und dann immer neue Lösungen finden. Also, ich habe Mathematik geliebt und habe auch erst versucht Mathematik zu studieren. Doch Mathematik allein war mir zu trocken als ich zur Universität kam. Und dann dachte ich: Ach, in der Physik kann man die Mathematik überall anwenden. Zu der Zeit, als ich angefangen habe, war die Halbleiterphysik gerade im Kommen. Die ersten Laser wurden gebaut. Deswegen bin ich dann in die Halbleiterphysik gegangen. Das war eigentlich mein Beginn mit der Physik.

Schaaf:    Welchen Tipp zum Lösen physikalischer Aufgaben könnten Sie uns Schülern geben?
Klitzing:    Ich habe mir selbst immer mathematische Aufgaben gestellt. Ich habe einfach einen Körper gedreht, der muß dasselbe Volumen haben und habe dann schwierige mathematische Probleme gelöst. So habe ich mir selber Aufgaben gestellt. In der Physik müssen Sie einfach die Natur beobachten und dann immer Fragen stellen: Was ist die Ursache dafür? Weswegen ist die Farbe vom Schmetterling so und nicht anders? Das hat was mit Nanostrukturen zu tun. Da muß man systematisch…

Schaaf:    … alles hinterfragen?
Klitzing:    Alles hinterfragen! Und das müssen Sie eigentlich immer tun. Es gibt keine dummen Fragen. Als neugieriger Mensch muß man immer irgendwo Fragen stellen und versuchen Lösungen zu finden. Der menschliche Geist sollte eigentlich in der Lage sein, irgendwelche Lösungen zu finden. Das ist dann schon Forschung.


„Es gibt keine dummen Fragen.“

Schaaf:    Welchen großen Physiker bewundern Sie denn am meisten und warum?
Klitzing:    Bei dieser Frage kommt dann natürlich immer Einstein, das ist aber schon … Ich müsste jetzt mal überlegen… welchen Physiker … Ja, ich meine als Max-Planck-Direktor bin ich natürlich von Max Planck beeindruckt, aber ich würde sagen: Der allererste Nobelpreisträger war Röntgen. Der hat die Röntgenstrahlen entdeckt. Und der hat mich beeindruckt, weil ihm angeboten wurde, seine Röntgenröhre zu patentieren, damit alle Mediziner dann Lizenzen dafür bezahlen müssen. Er hat gesagt „Nein, meine Entdeckung ist für die Menschheit. Ich mache kein Patent darauf.“ Und das finde ich ein gutes Zeichen.

Schaaf:    Die Lösung welches physikalischen Problems würden Sie noch gerne erleben?
Klitzing:    Die Fragestellung, ob Naturkonstanten zeitabhängig sind. Es gibt in der Natur gewisse Konstanten, und ob diese Konstanten beim Urknall auch die Werte hatten, wissen wir eigentlich nicht. Und deswegen kann es sein, daß die sich mit der Zeit entwickeln – mit der Ausdehnung des Universums – und eine Antwort auf diese Frage, das würde ich ganz gerne noch erleben. Und dann heutzutage der Quantencomputer. Ob ich noch mal einen Quantencomputer erleben werde? Ich glaub es zwar nicht mehr, aber es wäre schön, wenn ich es erleben würde.

Schaaf:    Meine letzte Frage: Könnten Sie vielleicht ein motivierendes Grußwort, also einen Tipp oder ein Lebensmotto für die Schüler unserer Schule formulieren?
Klitzing:    Sei optimistisch!
Schaaf:    Vielen Dank.

Das Gespräch mit Klaus von Klitzing fand am 24. November 2014 an der University of Johannesburg statt.

Justin Schaaf besucht die 10. Klasse der Deutschen Internationalen Schule Johannesburg.

Klaus von Klitzing wurde 1943 in Schroda geboren. Er studierte in Braunschweig und Würzburg Physik. Am Hochfeld-Magnetlabor in Grenoble entdeckte er 1980, daß sich die von ihm gemessenen Hall-Widerstände durch zwei Naturkonstanten darstellen lassen. Für die Entdeckung dieses sogenannten quantisierten Hall-Effekts erhielt er 1985 den Nobelpreis für Physik.
Klitzing ist Direktor des Max-Planck-Instituts für Festkörperforschung in Stuttgart. 2018 will das Internationale Büro für Maß und Gewicht in Paris das Ur-Kilogramm als Referenzmaß für die Masse abschaffen und durch eine Festlegung mit Hilfe der Klitzing-Konstante ersetzen.

„Röntgen hat mich beeindruckt.“

(The English version will be published shortly)

2017-05-13T09:08:50+00:00