Rundschreiben

25 Jahre Neue Sekundarstufe : Festvortrag von Wolfgang Huber

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25 Jahre Neue Sekundarstufe : Festvortrag von Wolfgang Huber

15 September 2014

1989 – 2014
25 Jahre Neue Sekundarstufe
Festvortrag von Wolfgang Huber

Anlässlich des 25 – jährigen Bestehens der Neuen Sekundarstufe an der DSJ fand am 30. Januar 2014 eine Schülervollversammlung der Klassenstufen 5 – 12 statt, zu der auch  die Eltern und die Mitglieder des Vorstands eingeladen waren.

Schulleiter Erich M. Schreiner wies in seiner Eröffnungsrede auf die historischen Hintergründe zur Einrichtung dieses Schulzweigs hin.

Noch zur Zeit der Apartheid wurde im Namen des Deutschen Bundestages der  Appell an alle Mitglieder der Schulgemeinschaft gerichtet, die Zeichen der Zeit zur Kenntnis zu nehmen und die gesellschaftspolitischen Aufgaben Südafrikas in der Schule anzugehen. Andernfalls würden die erheblichen finanziellen Zuwendungen an die Deutsche Schule überdacht werden müssen.  Die schriftliche Anweisung aus der damaligen Bundeshauptstadt Bonn war der offizielle Beginn  für die Neue Sekundarstufe im südlichen Afrika, der schwarzen und farbigen  Kindern den Besuch der Deutschen Schulen eröffnete.

Begegnung und Begabtenförderung zugleich, das war und ist der Gedanke, der hinter der Förderung dieses Zweigs aus Deutschland steht.

Die DSJ  stellt sich dieser zunächst nicht freiwillig gewählten Aufgabe und der damit verbundenen Verantwortung für die Schülerinnen und Schüler nun seit 25 Jahren mit großem Engagement.

Es ist eine besondere Ehre und Freude, dass Wolfgang Huber im Rahmen seines Forschungsaufenthalts in Südafrika die Zeit gefunden hat, in der Assembly einen Festvortrag zum 25-jährigen Bestehen der Neuen Sekundarstufe zu halten.

Wolfgang Huber ist einer der prominentesten evangelischen Theologen Deutschlands:

Professor für Theologie in Berlin und Heidelberg, 1994 – 2009 Bischof in Berlin-Brandenburg sowie 2003 – 2009 Vorsitzender des Rats der Evangelischen Kirche in Deutschland,  Mitglied des Deutschen Ethikrats der Bundesrepublik Deutschland, Fellow des Stellenbosch Institute for Advanced Study in Südafrika, seit 2013 Honorarprofessor der Universtität Stellenbosch

In seinem Vortrag verweist Wolfgang Huber auf wesentliche Elemente von Bildung und Erziehung und verknüpft sie am Ende seiner Rede mit drei Wünschen, die er der Schule mit auf den Weg geben möchte:

1.    „ Nicht nur Kenntnisse, sondern Orientierung vermitteln“

Oder anders gesagt: Wir lernen nicht für die Schule, sondern für das Leben. In der Schule werden nicht Fächer unterrichtet, sondern Menschen. Natürlich ist es wichtig, die Schülerinnen und Schüler zu akademischem Erfolg zu führen. Ebenso wichtig ist es auch, ihnen Orientierung für die Gestaltung ihres Lebens mit auf den Weg zu geben.

Seit der Einführung der Neuen Sekundarstufe sind eine Vielzahl von Sprachen, Kulturen und Religionen an der DSJ präsent.  Die Schulgemeinschaft der DSJ bildet die Regenbogennation Südafrikas  ab: Kinder und Jugendliche mit den verschiedensten sozialen und kulturellen Hintergründen leben und lernen zusammen.

Wolfgang Huber wünscht der Schule, dass diese Aufgabe künftig im Schulleben und in den Curricula genauso viel Raum hat wie herausragenden Lernerfolge in Mathematik, den Sprachen oder dem Sport.

2.    „ Gleiche Bildungschancen sichern“

Die Bildungschancen sind in Südafrika nach wie vor sehr unterschiedlich verteilt.  Der National Development Plan aus dem Jahr 2011 verweist darauf, dass schwarze Kinder und Jugendliche im südafrikanischen Bildungssystem auch in der Gegenwart unzureichend gefördert werden.

Wofgang Huber hofft für die Schule, dass sie auch weiterhin und verstärkt einen überzeugenden Beitrag zu den gleichen Bildungschancen für Kinder unterschiedlicher Herkunft leistet.
Und dass Schülerinnen und Schüler die Möglichkeiten nutzen, die ihnen die DSJ bietet, und zum Einsatz ihrer Begabungen und Kräfte bereit sind.

3.    „ Sich an Vorbildern orientieren und selbst zum Vorbild werden.“

Es gibt sie, die Vorbilder aus der Neuen Sekundarstufe. Schülerinnen und Schüler, die ihre Schulzeit erfolgreich beendet haben und ein Hochschulstudium abgeschlossen haben. Sie sind ihren Weg gegangen von Soweto in die Samstagsschule über die DSJ an die Universität und in verantwortliche Aufgaben für ihr Land Südafrika.

Dass die Deutsche Internationale Schule Johannesburg viele solcher Vorbilder, die zu einer guten Zukunft Südafrikas beitragen werden, hervorbringen möge, dass ist ein großes Anliegen Wolfgang Hubers und eine große Hoffnung für die Zukunft der Neuen Sekundarstufe an der DSJ.

Wolfgang Huber schloss seine Rede mit seinem Wunsch und den Worten der südafrikanischen Nationalhymne:

Nkosi Sikelel ‘ i Africa

Seit zwei Jahren arbeite ich nun an der Deutschen Internationalen Schule Johannesburg und habe sehr viel gelernt.

Es gibt sie, diese Vorbilder inmitten unserer Schulgemeinschaft.

Zum Beispiel Kamogelo Mochadibane, die heute als Lehrerin in der Vorschule arbeitet und am Samstag die Kinder aus Soweto auf die Aufnahmeprüfung für die DSJ vorbereitet.

Oder Katlego  Dibakwane, Deputy Headboy, der als Prefect den Geist der Schule nach innen und außen repräsentiert, und als Tutor seinen Mitschülerinnen und Mitschülern aus den Klassen 5 und 6 in der Orientierungsphase zur Seite steht.

Gefragt, wie er die Ansprache Wolfgang Hubers erlebt habe, antwortete Katlego:

„ Er hat mein Herz berührt.“

Dem kann ich mich nur anschließen.

Ursula von Lüdinghausen
Leiterin der Neuen Sekundarstufe
Januar 2014

2017-05-13T09:11:23+00:00